Sonnenuntergang Bad Reichenhall




  Viele Tourismusorte im Alpenraum kämpfen derzeit um die Gunst des Kunden: die frei ver-fügbaren Einkünfte sinken, die Verunsicherung der Konsumenten ist enorm, gleichzeitig wächst die nationale und internationale Konkurrenz. Ungebrochen ist weiterhin der Trend zu verkürzten Urlaubsaufenthalten, immer kurzfristigeren Urlaubsentscheidungen ("Last-Minute-Schnäppchen") und ein enormer Preisdruck ("Geiz ist geil", Discounter-Reisen).

In diesem äußerst schwierigen Umfeld müssen sich alle Orte und Regionen behaupten. Gera-de in den klassischen Kurorten, zu denen unser Bad Reichenhall zweifelsohne gehört, wird die Situation durch 2 Faktoren noch deutlich verschärft:

- mit relativ wenigen, dafür lang verweilenden Kurgästen wurden in der Vergangenheit   respektable übernachtungszahlen erreicht und
- das Produkt "ambulante Kur" wurde durch politische Diskussionen und Sparmaßnahmen der   Kostenträger weitgehend ruiniert. Dennoch hält sich bei den Kunden die Meinung, alles was   der Gesundheit dient, ist Aufgabe der Krankenkasse.

Einige Zahlen belegen dies deutlich: in der Zeit von 1999 bis 2009 sanken die übernachtun-gen um rd. 20 % während die Gästeankünfte um 15 % zunahmen; betrachten wir die Zahlen ohne die Kliniken, so ist der Wandel noch dramatischer: die übernachtungen sinken um 30 %, die Gästeankünfte steigen um 17 %. Die durchschnittliche Verweildauer unserer Gäste außerhalb der Kliniken sinkt laufend und liegt bei nur noch 4,5 Tagen - und für 2010 setzt sich in den ersten 9 Monaten dieser Trend fort.

Damit einher gehen automatisch sinkende Auslastungen, völlig unzureichende Durchschnitts-erlöse, schlechtes Rating, mangelnde Investitionskraft sowie die Schließung insbesondere der kleinen Betriebe.

Dass in einer derartigen Situation der Ruf nach Neuausrichtung und Abkehr von Altgewohn-tem, aber auch Altbewährtem immer wieder laut wird, ist verständlich.

Trotzdem positioniert sich die Stadt Bad Reichenhall mit nahezu allen Leistungsträgern erneut wieder nachdrücklich und eindeutig: wir sind der zukunftsfähige Traditionskurort zum Durchatmen.

Viele Gäste genießen in Bad Reichenhall genau das, worum uns Mitbewerber beneiden: ge-pflegtes Stadtambiente, Parkanlagen, ein enormes touristische Umfeld, das einmalige Orche-ster, das Gradierwerk als größtes Freiluftinhalatorium der Welt sowie ein vielfältiges Kultur- und Veranstaltungsprogramm. Neben medizinisch-fachlicher Kompetenz zeichnet Bad Rei-chenhall eine historisch gewachsene Bausubstanz mit unvergleichlichen Möglichkeiten aus: das Tagungs- und Veranstaltungszentrum "Altes Kurhaus", das einmalige Industriedenkmal "Alte Saline" und eine Vielzahl von Villen und Gebäuden aus der Gründerzeit. Absolut un-vollständig wäre diese kurze Aufzählung, wenn Salz und Sole nicht erwähnt würden. Die So-le prägt Bad Reichenhall in seiner gesamten Geschichte.

Durch einen gewaltigen finanziellen Kraftakt entsteht derzeit das nächste Highlight in Bad Reichenhall: die Rupertustherme wird um ein Sport- und Familienbad erweitert und damit ein Angebot präsentieren, das in weitem Umkreis seinesgleichen sucht.

Wenn Sie im niederbayerischen Bad Füssing jemanden fragen: "Wovon lebt dieser Ort?" so wird die Antwort schnell und zweifelsfrei heißen: "Vom Thermalwasser". Und genau das un-terscheidet uns von unseren Mitbewerbern: Letztere sind stolz auf das was sie haben, stehen hinter ihrem Angebot, tragen es überzeugt und gemeinsam nach draußen. Wir in Bad Reichen-hall hingegen verkaufen uns weit unter Wert, machen alles -und jeden- mies und wundern uns dann, dass schlechte Stimmung anstatt Aufbruchstimmung entsteht.

Ich bin überzeugt, dass die Ausrichtung des Ortes als "das gesunde Herz der Alpen" mittel- und langfristig Erfolg versprechend ist. Deshalb ist auch die Wiederbelebung des "Kurmittel-hauses der Moderne" eine richtige und nachhaltige Entscheidung der Stadt gewesen. öffentli-che Infrastruktur im Stadtzentrum kann aber nur dann dauerhaft vorgehalten werden, wenn ein entsprechendes, privates Beherbergungs- und Gastronomieangebot vorhanden ist. Unser Ziel muss deshalb sein -trotz der bekannten Probleme- Beherbergungsbetriebe im Stadtgebiet zu erhalten, deren Qualität zu verbessern und dem totalen Ausverkauf unserer Stadt weiter-hin einen Riegel vorzuschieben. Gleichzeitig sollen neue Leitbetriebe im Stadtbereich angesiedelt werden: noch besser wäre, wenn vorhandene Betriebe diese Rolle wieder übernehmen würden.

Aus politischen und aus finanziellen Gründen wurde das Marketing für Bad Reichenhall auf die landkreisweit tätige "Berchtesgadener Land Tourismus GmbH" übertragen. Zwischenzeitlich hat sich die Erkenntnis auf breiter Basis durchgesetzt, dass der Markenname "Bad Reichenhall" auch unter dem Dach des Berchtesgadener Landes erhalten bleiben und sogar ausgebaut werden muss. Der verstärkte Einsatz öffentlicher und privater Mittel ist dafür unverzichtbar und unser Kur- und Verkehrsverein spielt hier DIE zentrale Rolle.

Wenn wir uns gemeinsam auf unsere Herkunft und unsere Stärken besinnen, Schwachstellen beseitigen und Angebote ausbauen, dann - und nur dann - werden wir am touristischen Markt bestehen können. Wenn wir dagegen glauben, unsere nationalen und internationalen Mitbewerber in einem nach unten gerichteten Preiskampf besiegen zu können, werden wir schnell untergehen.


© Gerhard Fuchs | www.fuchs-hotels.de







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